{"id":523,"date":"2011-12-04T09:28:39","date_gmt":"2011-12-04T08:28:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ericlee.info\/blog\/?p=523"},"modified":"2011-12-04T09:28:39","modified_gmt":"2011-12-04T08:28:39","slug":"global-hassen-lokal-storen-ein-treffen-von-gewerkschaftern-aus-dem-nahen-osten-in-istanbul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/global-hassen-lokal-storen-ein-treffen-von-gewerkschaftern-aus-dem-nahen-osten-in-istanbul\/","title":{"rendered":"Global hassen, lokal st\u00f6ren: Ein Treffen von Gewerkschaftern aus dem Nahen Osten in Istanbul"},"content":{"rendered":"<p>Die Gewerkschaften spielten eine wichtige Rolle in den arabischen Revolten, und diese Revolten beeinflussten gewerkschaftliche K\u00e4mpfe und soziale Proteste in anderen Regionen der Welt. In Istanbul trafen Ende November auf der \u00bbLabour Start Global Solidarity Conference\u00ab Mitglieder neu gegr\u00fcndeter Gewerkschaften aus den L\u00e4ndern des \u00bbarabischen Fr\u00fchlings\u00ab Kollegen von etablierten Gewerkschaften. \u00bb100 Gewerkschaften, 30 L\u00e4nder, eine Klasse\u00ab, fasste der kanadische Gewerkschafter Derek Blackadder zusammen. Die Delegierten besuchten die Streikposten vor einer Fabrik der deutschen Firma GEA. Die Arbeiter sind seit Wochen ausgesperrt, sie protestieren gegen ihre Entlassung.<\/p>\n<p>Es gab aber auch einen Versuch antiisraelischer Aktivisten, die Konferenz zu sprengen. Trotz der Bef\u00fcrchtung, dass es St\u00f6rungen dieser Art geben k\u00f6nnte, war entschieden worden, das Trefen in Istanbul abzuhalten. Alle bedeutenden t\u00fcrkischen Gewerkschaften unterst\u00fctzten diese Entscheidung und bildeten ein Organisationskomitee, die \u00d6larbeitergewerkschaft Petrol-Is stellte ihre R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>In Arbeitskreisen und auf Plena wurde \u00fcber Themen wie prek\u00e4re Arbeit, die Rolle der Frauen in der Gewerkschaftsbewegung, die Organisierung migrantischer Arbeiter und globale Kampagnen diskutiert. Als ich in meiner Er\u00f6ffnungsrede neben zahlreichen anderen Staaten Israel erw\u00e4hnte, verlie\u00dfen mehrere nordafrikanische Delegierte den Raum. Danach sprach Sharan Burrow, Generalsekret\u00e4rin der \u00bbInternational Trade Union Confederation\u00ab, \u00fcber den israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikt und die Unterst\u00fctzung des internationalen Gewerkschaftsverbands f\u00fcr eine Zwei-Staaten-L\u00f6sung. Sp\u00e4ter erhoben andere Konferenzteilnehmer den Vorwurf, \u00bbLabour Start\u00ab sei ein \u00bbzionistisches\u00ab Projekt.<\/p>\n<p>Bei einem Treffen versuchte ich, eine Kl\u00e4rung herbeizuf\u00fchren und Ger\u00fcchte zu widerlegen, die seit Jahren verbreitet werden, etwa, dass \u00bbLabour Start\u00ab Nachrichten \u00fcber pal\u00e4stinensische Arbeitsk\u00e4mpfe unterdr\u00fccke. Unterdessen bereiteten sich die antiisraelischen Aktivisten, gef\u00fchrt von einem englischen Mitglied der Socialist Workers Party, die die Hamas unterst\u00fctzt, auf einen weiteren Angriff vor. Sie brachten eine \u00bbResolution\u00ab in Umlauf, die sich gegen die Teilnahme von Repr\u00e4sentanten des \u00bbrassistischen und zionistischen\u00ab israelischen Gewerkschaftsverbands Histadrut aussprach.<\/p>\n<p>Die Kampagne war aus zwei Gr\u00fcnden befremdlich. Zum einen waren Repr\u00e4sentanten der Histadrut auf der Konferenz gar nicht anwesend. F\u00fcnf israelische Staatsb\u00fcrger, unter ihnen eine Araberin, nahmen teil, aber keiner von ihnen vertrat den israelischen Gewerkschaftsverband. \u00dcberdies sind Konferenzen von \u00bbLabour Start\u00ab keine Foren, um Entscheidungen f\u00fcr die Gewerkschaftsbewegung zu treffen, daher werden auch keine Resolutionen verabschiedet. Nun wurde das Ger\u00fccht verbreitet, ein Foto sei entdeckt worden, auf dem ich in israelischer Uniform in der Westbank zu sehen sei.<\/p>\n<p>Unterdessen ging die Konferenz weiter, so debattierten pal\u00e4stinensische Gewerkschafter zweier rivalisierender Organisationen. Niemand erw\u00e4hnte die antiisraelische Kampagne BDS (Boykott, Desinvestment, Sanktionen). An einem anderen Arbeitkreis beteiligten sich zwei Israelis, ein Araber und ein Jude, vom \u00bbWorkers Advice Center\u00ab, einer linken, alternativen Gewerkschaft. Am Rand der Konferenz, in den Fluren und w\u00e4hrend der Kaffeepausen, trafen sich die Israelis mit anderen Konferenzteilnehmern, mit denen sie ansonsten nicht h\u00e4tten sprechen k\u00f6nnen, unter ihnen Delegierte der unabh\u00e4ngigen und illegalen iranischen Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Von gro\u00dfem Interesse f\u00fcr die vielen Teilnehmer war der Arbeitskreis \u00bbEchos des arabischen Fr\u00fchlings\u00ab. Gewerkschafter aus den USA, Israel und dem irakischen Kurdistan diskutierten \u00fcber die Aufst\u00e4nde und Proteste au\u00dferhalb der arabischen Welt, die sich an den Revolten in Tunesien und \u00c4gypten orientieren. Der kleine Raum war \u00fcberf\u00fcllt mit Delegierten aus mehr als einem Dutzend L\u00e4ndern, auch aus mehreren arabischen Staaten. Doch als die Sitzung begann, wollten mehrere t\u00fcrkische Aktivisten der BDS-Kampagne wissen, ob der israelische Sprecher ein Mitglied der Histadrut sei. Ich moderierte die Sitzung und intervenierte, um eine Unterbrechung zu verhindern. Ich sagte ihnen, dass ich Mitglied der Histadrut gewesen sei, als ich in Israel gelebt hatte, und dass Mitglieder der Histadrut willkommen seien. Die St\u00f6rer waren emp\u00f6rt, st\u00fcrmten schlie\u00dflich hinaus und schlugen die T\u00fcr hinter sich zu. Keiner der arabischen Delegierten folgte ihnen, die Diskussion konnte weitergehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir \u00fcber die Bewegung \u00bbOccupy Wall Street\u00ab, die sozialen Proteste in Israel und den 62t\u00e4gigen Aufstand im Nordirak, den \u00bbkurdischen Fr\u00fchling\u00ab, diskutierten, waren die Israel-Hasser damit besch\u00e4ftigt, \u00fcberall im Geb\u00e4ude Plakate aufzuh\u00e4ngen, auf denen zu lesen war, dass die \u00bbrassistische und zionistische Histadrut\u00ab nicht willkommen sei. Eine Eskalation drohte, einer der wenigen j\u00fcdischen Konferenzteilnehmer wollte eines der Plakate herunterrei\u00dfen, aber Gewalt konnte verhindert werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Abschlussplenums gab es eine weitere Aktion der Hamas-Unterst\u00fctzer, sie st\u00fcrmten die B\u00fchne und behaupteten, das Organisationskomitee der Konferenz zu repr\u00e4sentieren. Nach einer langen Tirade gegen den Zionismus meldete sich ein nordafrikanischer Delegierter zu Wort und sprach sich gegen die antiisraelischen St\u00f6rer aus. Am Tag nach der Konferenz trafen sich arabische Delegierte mit Repr\u00e4sentanten von \u00bbLabour Start\u00ab und des \u00bbSolidarity Center\u00ab des US-Gewerkschaftsverbands AFL-CIO.<\/p>\n<p>Trotz allem war die Konferenz ein Erfolg. Gewerkschafter, die gew\u00f6hnlich nicht die M\u00f6glichkeit haben, einander zu treffen, konnten ihre Erfahrungen austauschen und dazu beitragen, eine globale Solidarit\u00e4tsbewegung aufzubauen. Die antiisraelischen Aktivisten hatten daran kein Interesse, sie hatten nur eine Botschaft und wollten ihren Hass gegen Juden im Allgemeinen und insbesondere Israelis zum Ausdruck bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gewerkschaften spielten eine wichtige Rolle in den arabischen Revolten, und diese Revolten beeinflussten gewerkschaftliche K\u00e4mpfe und soziale Proteste in anderen Regionen der Welt. 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