{"id":423,"date":"2011-02-20T16:29:24","date_gmt":"2011-02-20T15:29:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ericlee.info\/blog\/?p=423"},"modified":"2011-02-20T16:29:24","modified_gmt":"2011-02-20T15:29:24","slug":"streiken-gegen-den-pharao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/streiken-gegen-den-pharao\/","title":{"rendered":"Streiken gegen den Pharao"},"content":{"rendered":"<div id=\"_mcePaste\"><em>This article appeared in both the print and online editions of <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2011\/07\/42629.html\">Jungle World<\/a>.<\/em><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Nicht nur \u00fcber Facebook wurden die Proteste in \u00c4gypten organisiert. Die sozialen Netzwerke der Lohnabh\u00e4ngigen waren entscheidend <\/strong><\/div>\n<div><strong>f\u00fcr den Sturz Mubaraks.<\/strong><\/div>\n<div><!--more--><\/div>\n<div>\u00bbWir streiken vor allem, um unsere Solidarit\u00e4t mit den Protestierenden auf dem Tahrir-Platz zu zeigen\u00ab, sagte Faisal Naousha vom Streikkomitee der Misr Spinning and Weaving Company in Mahalla al-Kubra, der mit mehr als 25\u2009000 Besch\u00e4ftigten gr\u00f6\u00dften Fabrik \u00c4gyptens. Die Stadt ist ein Zentrum der k\u00e4mpferischen Gewerkschaftsbewegung, doch in der vergangenen Woche begannen auch Streiks in zahlreichen anderen Betrieben und Institutionen. Postangestellte, Stahlarbeiter, Busfahrer und viele andere Besch\u00e4ftigte im privaten und staatlichen Sektor wollten nicht mehr f\u00fcr das Regime Hosni Mubaraks schuften.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Zu Boden gegangen. Langsam leert sich der Tahrir-Platz in Kairo, der das Zentrum der Proteste bildete. Mubarak ist indes schon Geschichte (Foto: PA\/Leglise Bataille)<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Die Medien konzentrieren sich auf die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter sowie auf das Vorbild Tunesiens. Doch ohne die sozialen Netzwerke der Lohnabh\u00e4ngigen h\u00e4tte sich der Tahrir-Platz nicht f\u00fcllen k\u00f6nnen, und die Ursachen des Aufstands liegen in \u00c4gypten. Die Revolution sollte niemanden \u00fcberraschen. Viele \u00e4ltere \u00c4gypter erz\u00e4hlen, dass die Verh\u00e4ltnisse unter Gamal Abd al-Nasser besser gewesen seien. Alle Betriebe mit mehr als 200 Besch\u00e4ftigten wurden verstaatlicht, es gab eine gewisse soziale Absicherung. \u00c4gypten war ein Einparteienstaat, es gab keine Meinungs- und Organisationsfreiheit. Doch der Lebensstandard stieg. Das \u00e4nderte sich nach 1973. Unterst\u00fctzt von der Weltbank und dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds begann Anwar al-Sadat eine Privatisierungspolitik, hunderte Staatsunternehmen wurden verkauft. Das Ergebnis war ein hohes Wirtschaftswachstum, in den vergangenen Jahren betrug es durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr. Doch gleichzeitig wuchsen Armut und soziale Ungleichheit.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Denn bei der Einparteienherrschaft blieb es, auch wenn einige Oppositionsgruppen mit einem halblegalen Status geduldet wurden. Unabh\u00e4ngige Gewerkschaften aber lie\u00df das Regime nicht zu, es gab nur die Mitgliedsorganisationen der Egyptian Trade Union Federation (ETUF), die seit ihrer Gr\u00fcndung in den f\u00fcnfziger Jahren keinen einzigen Streik unterst\u00fctzt hat. Die Arbeiter hatten keine legale M\u00f6glichkeit, sich gegen die Ausbeutung und den sinkenden Lebensstandard zu wehren.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Deshalb begann im Jahr 2004 eine beispiellose Welle illegaler Arbeitsk\u00e4mpfe, die bis heute anh\u00e4lt. In den ersten vier Jahren gab es 1\u2009900 Streiks, an denen sich etwa 1,7 Millionen Lohnabh\u00e4ngige beteiligten. Die Arbeitsk\u00e4mpfe begannen in der Textilindustrie, der bedeutendste Streik fand in den Jahren 2006 und 2007 in der Misr Spinning and Weaving Company statt. Doch auch Bau- und Transportarbeiter, Besch\u00e4ftigte der Nahrungsmittelindustrie und Angestellte der U-Bahn von Kairo traten in den Ausstand. Die vom Regime kon\u00adtrol\u00adlierte ETUF sprach sich gegen die Streiks aus und unterst\u00fctzte die Privatisierungspolitik.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Ein Wendepunkt war im Dezember 2007 erreicht, als die kommunalen Steuereinnehmer nicht nur die Arbeit niederlegten, sondern auch ein dreit\u00e4giges Sit-in organisierten. Etwa 10\u2009000 Menschen lie\u00dfen sich auf der Stra\u00dfe in Kairo vor dem B\u00fcro des Premierministers nieder. Das konnte man nicht ignorieren, und die Regierung sah sich im vergangenen Jahr gezwungen, erstmals eine unabh\u00e4ngige Gewerkschaft zuzulassen.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Eine wichtige Rolle spielten NGO, die die Streiks und Proteste unterst\u00fctzten. Das Regime lie\u00df ihre B\u00fcros schlie\u00dfen und ihre Anf\u00fchrer verhaften. Die bekannteste dieser Gruppen ist das Centre for Trade Union and Workers Services (CTUWS), das seit 1990 exisitiert. Die NGO sorgten f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Gewerkschaften aus anderen L\u00e4ndern, und diese Unterst\u00fctzung war entscheidend, vor allem, um die Regierung zu einer Milderung der Repression zu bewegen.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Die Verbindung zur internationalen Gewerkschaftsbewegung war auch wichtig in der derzeitigen Revolte. Als das Regime Mubaraks versuchte, \u00c4gypten vom Internet abzuschneiden, waren es Mitglieder des CTUWS, die t\u00e4glich Berichte an das Solidarity Center des US-Gewerschaftsverbandes AFL-CIO in Washington schickten. Die Berichte wurden aus dem Arabischen \u00fcbersetzt und \u00fcber Websites wie Labour Start in der internationalen Gewerkschaftsbewegung verbreitet.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Die International Trade Union Confederation (ITUC), die nach eigenen Angaben 176 Millionen Lohnabh\u00e4ngige vertritt, sicherte den \u00c4gyptern \u00bbvolle Unterst\u00fctzung bei ihrem Streben nach fundamentalen Freiheiten und Rechten\u00ab zu. Der Verband rief zu einem internationalen Solidarit\u00e4tstag am 8.\u2009Februar auf, die Mitgliedsgewerkschaften wurden aufgefordert, in aller Welt Demons\u00adtrationen vor den \u00e4gyptischen Botschaften zu organisieren. Es ist unklar, wie viele Gewerkschaften dem nachkamen. In London beispielsweise gab der Gewerkschaftsverband TUC an, die Zeit habe f\u00fcr die Vorbereitung einer Kundgebung nicht ausgereicht, und begn\u00fcgte sich damit, der \u00e4gyptischen Botschaft einen Brief zu \u00fcbergeben.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">In Tel Aviv demonstrierten am 8.\u2009Februar Mitglieder zweier kleiner Gewerkschaften vor der \u00e4gyptischen Botschaft, doch der israelische Gewerkschaftsverband Histadrut beteiligte sich nicht. Die Histadrut, die der ITUC angeh\u00f6rt, hat nicht einmal Stellung dazu genommen. Ihr Vorsitzender Ofer Eini, einer der Vizepr\u00e4sidenten der ITUC, nahm an dem Treffen, auf dem der internationale Solidarit\u00e4tstag beschlossen wurde, nicht teil. Offenbar folgt die Histadrut dem Beipiel der israelischen Regierung und h\u00e4lt sich zur\u00fcck.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Die Palestine General Federation of Trade Unions (PGFTU), die pal\u00e4stinensische Mitgliedsgewerkschaft der ITUC, hat sich bislang ebenfalls nicht zu der Revolte in \u00c4gypten ge\u00e4u\u00dfert und wollte dies auch auf Anfrage nicht tun. Doch ist es wahrscheinlich, dass sie die Proteste unterst\u00fctzt. Die Beziehungen zu den offiziellen \u00e4gyptischen Gewerkschaften sind schlecht, denn gemeinsam mit anderen staatlich kontrollierten Gewerkschaften haben sie die PGFTU von regionalen Treffen ausgeschlossen, weil der pal\u00e4stinensische Verband mit der Histadrut \u00bbkollaboriert\u00ab. Im vergangenen Jahr sprach ein Repr\u00e4sentant der PGFTU bei einer Veranstaltung des CTUWS in Kairo.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Dort wurde mittlerweile ein neuer Gewerkschaftsverband gegr\u00fcndet, basierend auf den Gruppen, die in den vergangenen Jahren w\u00e4hrend der Streiks entstanden und unabh\u00e4ngig von der ETUF sind. W\u00e4hrend einer Pressekonferenz auf dem Tahrir-Platz sagten Repr\u00e4sentanten der Textilarbeiter, der Steuereinnehmer und anderer Gruppen, dass \u00bbdie Arbeiterbewegung das Herz und die Seele der \u00e4gyptischen Revolution\u00ab sei und der Aufstand mit den \u00bbTausenden von Streiks, Sit-ins und Protesten der \u00e4gyptischen Arbeiter in den vergangenen Jahren\u00ab verbunden sei.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Es gibt keine exakten Parallelen, aber vieles erinnert an die Solidarnosc-Bewegung in Polen (Jungle World, 32\/10). Wie in \u00c4gypten gab es dort einen repressiven Einparteienstaat, dessen Gewerkschaften die Interessen der Herrschenden vertraten. Es gab aber auch ein Netzwerk von NGO, die im Untergrund in Betrieben und Stadtvierteln arbeiteten. Das Ergebnis war der Streik auf der Lenin-Werft in Gdansk im August 1980. Die Regierung war gezwungen, die Gr\u00fcndung der unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft Solidarnosc zuzulassen, die bald darauf eine umfassende Demokratisierung forderte.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Es war urspr\u00fcnglich nicht das Ziel der streikenden Textilarbeiter und kommunalen Steuereinnehmer, das repressive und korrupte Regime Mubaraks zu st\u00fcrzen. Sie reagierten auf unertr\u00e4gliche Arbeits- und Lebensbedingungen, und ihre Forderungen waren zun\u00e4chst bescheiden. Doch die Repression politisierte die Bewegung, die Zahl der Arbeitsk\u00e4mpfe und Proteste nahm zu. Nun hat die Streikbewegung entscheidend zum Sturz Mubaraks beigetragen.<\/div>\n<p>Nicht nur \u00fcber Facebook wurden die Proteste in \u00c4gypten organisiert. Die sozialen Netzwerke der Lohnabh\u00e4ngigen waren entscheidend f\u00fcr den Sturz Mubaraks.<br \/>\n\u00bbWir streiken vor allem, um unsere Solidarit\u00e4t mit den Protestierenden auf dem Tahrir-Platz zu zeigen\u00ab, sagte Faisal Naousha vom Streikkomitee der Misr Spinning and Weaving Company in Mahalla al-Kubra, der mit mehr als 25\u2009000 Besch\u00e4ftigten gr\u00f6\u00dften Fabrik \u00c4gyptens. Die Stadt ist ein Zentrum der k\u00e4mpferischen Gewerkschaftsbewegung, doch in der vergangenen Woche begannen auch Streiks in zahlreichen anderen Betrieben und Institutionen. Postangestellte, Stahlarbeiter, Busfahrer und viele andere Besch\u00e4ftigte im privaten und staatlichen Sektor wollten nicht mehr f\u00fcr das Regime Hosni Mubaraks schuften.<\/p>\n<p>Zu Boden gegangen. Langsam leert sich der Tahrir-Platz in Kairo, der das Zentrum der Proteste bildete. Mubarak ist indes schon Geschichte (Foto: PA\/Leglise Bataille)Die Medien konzentrieren sich auf die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter sowie auf das Vorbild Tunesiens. Doch ohne die sozialen Netzwerke der Lohnabh\u00e4ngigen h\u00e4tte sich der Tahrir-Platz nicht f\u00fcllen k\u00f6nnen, und die Ursachen des Aufstands liegen in \u00c4gypten. Die Revolution sollte niemanden \u00fcberraschen. Viele \u00e4ltere \u00c4gypter erz\u00e4hlen, dass die Verh\u00e4ltnisse unter Gamal Abd al-Nasser besser gewesen seien. Alle Betriebe mit mehr als 200 Besch\u00e4ftigten wurden verstaatlicht, es gab eine gewisse soziale Absicherung. \u00c4gypten war ein Einparteienstaat, es gab keine Meinungs- und Organisationsfreiheit. Doch der Lebensstandard stieg. Das \u00e4nderte sich nach 1973. Unterst\u00fctzt von der Weltbank und dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds begann Anwar al-Sadat eine Privatisierungspolitik, hunderte Staatsunternehmen wurden verkauft. Das Ergebnis war ein hohes Wirtschaftswachstum, in den vergangenen Jahren betrug es durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr. Doch gleichzeitig wuchsen Armut und soziale Ungleichheit.<br \/>\nDenn bei der Einparteienherrschaft blieb es, auch wenn einige Oppositionsgruppen mit einem halblegalen Status geduldet wurden. Unabh\u00e4ngige Gewerkschaften aber lie\u00df das Regime nicht zu, es gab nur die Mitgliedsorganisationen der Egyptian Trade Union Federation (ETUF), die seit ihrer Gr\u00fcndung in den f\u00fcnfziger Jahren keinen einzigen Streik unterst\u00fctzt hat. Die Arbeiter hatten keine legale M\u00f6glichkeit, sich gegen die Ausbeutung und den sinkenden Lebensstandard zu wehren.<br \/>\nDeshalb begann im Jahr 2004 eine beispiellose Welle illegaler Arbeitsk\u00e4mpfe, die bis heute anh\u00e4lt. In den ersten vier Jahren gab es 1\u2009900 Streiks, an denen sich etwa 1,7 Millionen Lohnabh\u00e4ngige beteiligten. Die Arbeitsk\u00e4mpfe begannen in der Textilindustrie, der bedeutendste Streik fand in den Jahren 2006 und 2007 in der Misr Spinning and Weaving Company statt. Doch auch Bau- und Transportarbeiter, Besch\u00e4ftigte der Nahrungsmittelindustrie und Angestellte der U-Bahn von Kairo traten in den Ausstand. Die vom Regime kon\u00adtrol\u00adlierte ETUF sprach sich gegen die Streiks aus und unterst\u00fctzte die Privatisierungspolitik.<br \/>\nEin Wendepunkt war im Dezember 2007 erreicht, als die kommunalen Steuereinnehmer nicht nur die Arbeit niederlegten, sondern auch ein dreit\u00e4giges Sit-in organisierten. Etwa 10\u2009000 Menschen lie\u00dfen sich auf der Stra\u00dfe in Kairo vor dem B\u00fcro des Premierministers nieder. Das konnte man nicht ignorieren, und die Regierung sah sich im vergangenen Jahr gezwungen, erstmals eine unabh\u00e4ngige Gewerkschaft zuzulassen.<br \/>\nEine wichtige Rolle spielten NGO, die die Streiks und Proteste unterst\u00fctzten. Das Regime lie\u00df ihre B\u00fcros schlie\u00dfen und ihre Anf\u00fchrer verhaften. Die bekannteste dieser Gruppen ist das Centre for Trade Union and Workers Services (CTUWS), das seit 1990 exisitiert. Die NGO sorgten f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Gewerkschaften aus anderen L\u00e4ndern, und diese Unterst\u00fctzung war entscheidend, vor allem, um die Regierung zu einer Milderung der Repression zu bewegen.<br \/>\nDie Verbindung zur internationalen Gewerkschaftsbewegung war auch wichtig in der derzeitigen Revolte. Als das Regime Mubaraks versuchte, \u00c4gypten vom Internet abzuschneiden, waren es Mitglieder des CTUWS, die t\u00e4glich Berichte an das Solidarity Center des US-Gewerschaftsverbandes AFL-CIO in Washington schickten. Die Berichte wurden aus dem Arabischen \u00fcbersetzt und \u00fcber Websites wie Labour Start in der internationalen Gewerkschaftsbewegung verbreitet.<br \/>\nDie International Trade Union Confederation (ITUC), die nach eigenen Angaben 176 Millionen Lohnabh\u00e4ngige vertritt, sicherte den \u00c4gyptern \u00bbvolle Unterst\u00fctzung bei ihrem Streben nach fundamentalen Freiheiten und Rechten\u00ab zu. Der Verband rief zu einem internationalen Solidarit\u00e4tstag am 8.\u2009Februar auf, die Mitgliedsgewerkschaften wurden aufgefordert, in aller Welt Demons\u00adtrationen vor den \u00e4gyptischen Botschaften zu organisieren. Es ist unklar, wie viele Gewerkschaften dem nachkamen. In London beispielsweise gab der Gewerkschaftsverband TUC an, die Zeit habe f\u00fcr die Vorbereitung einer Kundgebung nicht ausgereicht, und begn\u00fcgte sich damit, der \u00e4gyptischen Botschaft einen Brief zu \u00fcbergeben.<br \/>\nIn Tel Aviv demonstrierten am 8.\u2009Februar Mitglieder zweier kleiner Gewerkschaften vor der \u00e4gyptischen Botschaft, doch der israelische Gewerkschaftsverband Histadrut beteiligte sich nicht. Die Histadrut, die der ITUC angeh\u00f6rt, hat nicht einmal Stellung dazu genommen. Ihr Vorsitzender Ofer Eini, einer der Vizepr\u00e4sidenten der ITUC, nahm an dem Treffen, auf dem der internationale Solidarit\u00e4tstag beschlossen wurde, nicht teil. Offenbar folgt die Histadrut dem Beipiel der israelischen Regierung und h\u00e4lt sich zur\u00fcck.<br \/>\nDie Palestine General Federation of Trade Unions (PGFTU), die pal\u00e4stinensische Mitgliedsgewerkschaft der ITUC, hat sich bislang ebenfalls nicht zu der Revolte in \u00c4gypten ge\u00e4u\u00dfert und wollte dies auch auf Anfrage nicht tun. Doch ist es wahrscheinlich, dass sie die Proteste unterst\u00fctzt. Die Beziehungen zu den offiziellen \u00e4gyptischen Gewerkschaften sind schlecht, denn gemeinsam mit anderen staatlich kontrollierten Gewerkschaften haben sie die PGFTU von regionalen Treffen ausgeschlossen, weil der pal\u00e4stinensische Verband mit der Histadrut \u00bbkollaboriert\u00ab. Im vergangenen Jahr sprach ein Repr\u00e4sentant der PGFTU bei einer Veranstaltung des CTUWS in Kairo.<br \/>\nDort wurde mittlerweile ein neuer Gewerkschaftsverband gegr\u00fcndet, basierend auf den Gruppen, die in den vergangenen Jahren w\u00e4hrend der Streiks entstanden und unabh\u00e4ngig von der ETUF sind. W\u00e4hrend einer Pressekonferenz auf dem Tahrir-Platz sagten Repr\u00e4sentanten der Textilarbeiter, der Steuereinnehmer und anderer Gruppen, dass \u00bbdie Arbeiterbewegung das Herz und die Seele der \u00e4gyptischen Revolution\u00ab sei und der Aufstand mit den \u00bbTausenden von Streiks, Sit-ins und Protesten der \u00e4gyptischen Arbeiter in den vergangenen Jahren\u00ab verbunden sei.<br \/>\nEs gibt keine exakten Parallelen, aber vieles erinnert an die Solidarnosc-Bewegung in Polen (Jungle World, 32\/10). Wie in \u00c4gypten gab es dort einen repressiven Einparteienstaat, dessen Gewerkschaften die Interessen der Herrschenden vertraten. Es gab aber auch ein Netzwerk von NGO, die im Untergrund in Betrieben und Stadtvierteln arbeiteten. Das Ergebnis war der Streik auf der Lenin-Werft in Gdansk im August 1980. Die Regierung war gezwungen, die Gr\u00fcndung der unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft Solidarnosc zuzulassen, die bald darauf eine umfassende Demokratisierung forderte.<br \/>\nEs war urspr\u00fcnglich nicht das Ziel der streikenden Textilarbeiter und kommunalen Steuereinnehmer, das repressive und korrupte Regime Mubaraks zu st\u00fcrzen. Sie reagierten auf unertr\u00e4gliche Arbeits- und Lebensbedingungen, und ihre Forderungen waren zun\u00e4chst bescheiden. Doch die Repression politisierte die Bewegung, die Zahl der Arbeitsk\u00e4mpfe und Proteste nahm zu. Nun hat die Streikbewegung entscheidend zum Sturz Mubaraks beigetragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This article appeared in both the print and online editions of Jungle World. 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