{"id":376,"date":"2010-05-10T06:07:38","date_gmt":"2010-05-10T05:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ericlee.info\/blog\/?p=376"},"modified":"2010-05-23T09:32:37","modified_gmt":"2010-05-23T08:32:37","slug":"fahnen-fur-die-fans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/fahnen-fur-die-fans\/","title":{"rendered":"Fahnen f\u00fcr die Fans"},"content":{"rendered":"<p>Britische und irische Gewerkschaften haben ihre Boykottaufrufe gegen Israel erneuert und versch\u00e4rft, trotz der Bef\u00fcrchtung, dass ihre Haltung den Antisemitismus f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><em>von Eric Lee<\/em><\/p>\n<p><em><!--more--><\/em><\/p>\n<p>Als wichtigstes \u00bbZentrum der Delegitimierung\u00ab\u00a0\u2013 also als Zentrum von der anti-israelischen Kampagnen wie den Aufrufen, israelische Waren zu boykottieren\u00a0\u2013 bezeichnete das Tel Aviver Reut Institute (Jungle World 7\/10) London. Auch andere St\u00e4dte k\u00f6nnten solche Zentren werden, doch vor allem in London werde die Idee des \u00bbeinen Staates\u00ab vertreten. \u00bbDas Konzept der Ein-Staat-L\u00f6sung wird in London st\u00e4rker als irgendwo sonst diskutiert, propagiert und in alle Welt verbreitet. Dieses Konzept ist in London m\u00f6glicherweise sogar popul\u00e4rer als in der Westbank oder in Gaza\u00ab, urteilt der Bericht. Von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die anti-israelischen Kampagnen seien die Gewerkschaften. In den vergangenen Jahren \u00bbwurden sie die wichtigste B\u00fchne f\u00fcr die Operationen der Netzwerke der Delegitimierung, und Israel ist auf dieser B\u00fchne faktisch nicht mehr pr\u00e4sent\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Das war nicht immer so.<\/strong> Doch die Auslandsbeziehungen der Histadrut, des israelischen Gewerkschaftsverbandes, h\u00e4tten an Bedeutung verloren. \u00bbBis zu den achtziger Jahren unterhielten die Histadrut und ihre internationale Abteilung ausgedehnte Arbeitsbeziehungen zu vielen Gewerkschaften in aller Welt. Doch in den vergangenen 20 Jahren ist diese Abteilung geschrumpft, nur noch drei Angestellte sind verantwortlich f\u00fcr alle internationalen Aktivit\u00e4ten der Histadrut und der ihr angeschlossenen Organisationen.\u00ab Es sei daher notwendig, die internationale Abteilung der Histadrut wieder zu st\u00e4rken und mit Gewerkschaften in aller Welt Gespr\u00e4che zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Bislang aber gibt es zu wenig Widerspruch gegen anti-israelische Kampagnen. So gab es in Schottland einen starken Anstieg antisemitischer Vorf\u00e4lle. Die Zeitschrift des Institute for Global Jewish Affairs ver\u00f6ffentlichte k\u00fcrzlich eine Untersuchung, die die Bef\u00fcrwortung des Israel-Boykotts durch den Scottish Trades Union Congress daf\u00fcr mitverantwortlich macht. \u00bbEs gab in der Geschichte wenig Antisemitismus in Schottland\u00ab, stellt der Bericht fest.<\/p>\n<p><strong>Der Antisemitismus habe sich jedoch verbreitet,<\/strong> \u00bboft in Verbindung mit Ereignissen im Nahen Osten. Insbesondere die schottische Gewerkschaftsbewegung hat eine Politik des Israel-Boykotts verfolgt, ungeachtet des Dialogs mit den j\u00fcdischen Gemeinden, der darauf abzielt, beide Seiten in diesem Konflikt zu verstehen.\u00ab<\/p>\n<p>Im Herbst vergangenen Jahres haben die schottischen Gewerkschaften Tausende pal\u00e4stinen\u00adsischer Fahnen bei einem Fu\u00dfballspiel verteilt, an dem eine israelische Mannschaft teilnahm. Die Aktion sollte an die israelische Milit\u00e4roperation in Gaza erinnern. Den meisten Berichten zufolge waren diese Bem\u00fchungen weitgehend erfolglos, weil die Fu\u00dfballfans wenig Interesse an der Politisierung des Sports hatten. Bei ihrem Kongress Ende April haben die schottischen Gewerkschaften dann erneut ihren Beschluss best\u00e4tigt, Israel zu boykottieren, trotz der Bef\u00fcrchtungen, dass diese Haltung den Antisemitismus f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Der Irish Congress of Trade Unions (ICTU) veranstaltete Ende April eine internationale Konferenz \u00fcber den Frieden im Nahen Osten, zu der zahlreiche Pal\u00e4stinenser und propal\u00e4stinensische Organisationen kamen, aber nur eine Repr\u00e4sentantin der Histadrut eingeladen wurde. Avital Shapira-Shabirows Vorwurf, der Kongress sei gegen\u00fcber Israel voreingenommen, f\u00fchrte dann zu \u00bbhitzigen Diskussionen\u00ab.<\/p>\n<p>Auch die irischen Gewerkschaften nehmen eine anti-israelische Haltung ein, die ehemalige ICTU-Pr\u00e4sidentin Patricia McKeown griff die Gewerkschaften an, die sich weiterhin der Boykottkampagne widersetzen. Bei der Konferenz sagte sie, dass insbesondere der DGB \u00bbunter einem falschen Bewusstsein leidet\u00ab, weil er sich in der Vergangenheit gegen einen Boykott israelischer Waren ausgesprochen habe.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien hat sich der Trades Union Congress (TUC) schlie\u00dflich entschieden, seinen Beschluss vom September vergangenen Jahres zu verwirklichen und einen Teilboykott israelischer Waren zu unterst\u00fctzen, der auf Produkte beschr\u00e4nkt ist, die in den j\u00fcdischen Siedlungen in der Westbank hergestellt werden. Diese Entscheidung wurde von einigen gem\u00e4\u00dfigten Gewerkschaftsf\u00fchrern als Kompromiss oder sogar als Sieg f\u00fcr die pro-israelischen Gruppen gefeiert. Doch hat sich der TUC nun formell mit der Palestine Solidarity Campaign (PSC) verb\u00fcndet, die die Hamas unterst\u00fctzt, und eine gemeinsame Boykottkampagne gegen Israel begonnen.<\/p>\n<p>Da die PSC zu einem vollst\u00e4ndigen Boykott israelischer Waren aufruft, geht der TUC mit dem B\u00fcndnis \u00fcber den eigenen Beschluss hinaus und entfernt sich von seiner bisherigen Unterst\u00fctzung einer Zwei-Staaten-L\u00f6sung und der israel\u00adischen Arbeiterbewegung. Doch gem\u00e4\u00dfigte bri\u00adtische Gewerkschaftsf\u00fchrer haben das B\u00fcndnis nicht \u00f6ffentlich kritisiert, und auch Trade Union Friends of Israel, eine Gruppe, die sich f\u00fcr die Zusammenarbeit israelischer, pal\u00e4stinensischer und britischer Gewerkschafter einsetzt, blieb erstaunlicherweise schweigsam.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Noch in diesem Monat will die Akademikergewerkschaft UCU erneut \u00fcber Resolutionen debattieren, die zum Boykott Israels aufrufen. Doch diesmal will die Ortsgruppe Oxford einen anderen Entwurf vorlegen. Sie kritisiert, dass im vergangenen Jahr der notorische Antisemit Bongani Masuku vom s\u00fcdafrikanischen Gewerkschaftsverband Cosatu eingeladen wurde, um \u00fcber die Boykottkampagne zu sprechen.<\/p>\n<p><strong>Masukus Hetze gegen Israelis und Juden<\/strong> wurde von der South African Human Rights Commission als hate speech verurteilt. Die UCU soll sich nun \u00bbvon Masuku und seinen absto\u00dfende Ansichten distanzieren\u00ab und \u00bbdie gew\u00e4hlten Mitglieder r\u00fcgen, die daf\u00fcr verantwortlich waren, dass Masuku eingeladen wurde, an einem von der Gewerkschaft veranstalteten Treffen teilzunehmen\u00ab. Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Resolutionsentwurf angenommen wird, er soll wohl eher Diskussionen provozieren. Er ist jedoch, zumal die UCU der gewerkschaftlichen Boykottkampagne den Weg bereitete, ein Zeichen daf\u00fcr, dass die anti-israelische Propaganda nicht ohne Widerspruch hingenommen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Britische und irische Gewerkschaften haben ihre Boykottaufrufe gegen Israel erneuert und versch\u00e4rft, trotz der Bef\u00fcrchtung, dass ihre Haltung den Antisemitismus f\u00f6rdert. von Eric Lee<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37],"tags":[],"class_list":["post-376","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jungle-world"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=376"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":378,"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376\/revisions\/378"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}