{"id":1141,"date":"2016-04-01T13:44:59","date_gmt":"2016-04-01T12:44:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ericlee.info\/blog\/?p=1141"},"modified":"2016-04-01T13:44:59","modified_gmt":"2016-04-01T12:44:59","slug":"haufenweise-schwarze-schafe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ericlee.info\/blog\/haufenweise-schwarze-schafe\/","title":{"rendered":"Haufenweise schwarze Schafe"},"content":{"rendered":"<p><em>This article appears in this week&#8217;s edition of <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2016\/13\/53761.html\">Jungle World<\/a>.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Die britische Labour Party und ihr neuer Vorsitzender Jeremy Corbyn haben ein Problem mit dem Antisemitismus in den eigenen Reihen. Das wird zwar \u00f6ffentlich kritisiert, aber ihre politischen Priorit\u00e4ten liegen anderswo.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich sprechen alle \u00fcber Antisemitismus und die britische Labour-Partei. Nun, vielleicht nicht alle. Zwar wurden gr\u00f6\u00dfere Artikel im Guardian (am bemerkenswertesten die von den Kolumnisten Jonathan Freedland und Owen Jones) und Berichte im Jewish Chronicle, in Fathom und Ha\u2019aretz ver\u00f6ffentlicht, doch waren die meisten \u2013 Jones bildet die ehrenwerte Ausnahme \u2013 von Juden geschrieben, f\u00fcr Publikationen, die von Juden gelesen werden. F\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrheit der Mitglieder der Labour Party, von anderen Briten ganz abgesehen, ist das Thema komplett abseits der Aufmerksamkeit. Und was auch immer geschehen ist, es stellt keine Bedrohung f\u00fcr Jeremy Corbyns Parteivorsitz oder die Aussichten der Partei bei kommenden Wahlen dar.<\/p>\n<p>Als Jeremy Corbyn vor sechs Monaten verbl\u00fcffend zum Parteivorsitzenden der Labour-Partei gew\u00e4hlt wurde, war sein Verh\u00e4ltnis zu Israel bereits Thema. Bedenken wurden ge\u00e4u\u00dfert, haupts\u00e4chlich in der j\u00fcdischen Gemeinde, \u00fcber seine N\u00e4he zum Antisemitismus. Als Hinterb\u00e4nkler hatte Corbyn bereits Repr\u00e4sentanten von Hamas und Hizbollah im Parlament empfangen und sie als seine \u00bbFreunde\u00ab bezeichnet. Er hatte eng mit Holocaust-Leugnern und Verfechtern der Ritualmordlegende zusammengearbeitet. Er ist langj\u00e4hriger Schirmherr der antij\u00fcdischen Stop the War Coalition und der Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tskampagne. Dennoch, und das ist das Seltsame: \u00bbNiemand beschuldigt ihn, ein Antisemit zu sein\u00ab, schreibt Jonathan Freedland.<\/p>\n<p>Wie kommt es, dass sich Corbyn mit wahnhaften Antisemiten umgibt und sein Ansehen davon nicht beeintr\u00e4chtigt wird? Aus der Sicht von Freedland und anderen liegt es daran, dass Corbyn als \u00bbnett\u00ab angesehen wird. Das ist keine \u00dcbertreibung. Er mag eine Fernsehshow auf Press TV haben, dem Satellitenkanal des iranischen Regimes, aber das schadet ihm nicht. Er mag auch ein gutes Verh\u00e4ltnis zu Wladimir Putins RT-Kanal haben, aber im Grunde ist er ein netter Kerl.<\/p>\n<p>Seine Wahl zum Vorsitzenden der Labour Party im vergangenen Jahr brachte ein starkes Wachstum der Mitgliederzahlen mit sich. Tausende, viele ziemlich jung, schlossen sich der Partei an. Da es Bef\u00fcrchtungen gab, dass nicht alle tats\u00e4chlich in der Labour-Partei am richtigen Platz seien, gr\u00fcndete die Partei eine \u00bbCompliance Unit\u00ab, die all diese neuen Bewerber begutachten und jene aussortieren sollte, die als Mitglied nicht in Frage k\u00e4men. Unter jenen, die ausgeschlossen wurden, befanden sich einige Mitglieder der Alliance for Workers Liberty, der einzigen linksradikalen Organisation in Gro\u00dfbritannien, die nicht israelfeindlich ist. Sie wurden ausgeschlossen, und in manchen F\u00e4llen doch wiederaufgenommen, weil man bef\u00fcrchtete, sie k\u00f6nnten sich gegen\u00fcber der Partei illoyal verhalten.<\/p>\n<p>Aber es gab mit Gerry Downing und Vicky Kirby auch zwei andere F\u00e4lle von Leuten, die ausgeschlossen, wieder aufgenommen und erneut ausgeschlossen wurden. Downing ist ein traditioneller linksradikaler Israel-Hasser, der den sp\u00e4ten Gerry Healy nachzumachen scheint, den brachial antisemitischen Anf\u00fchrer des Workers-Revolutionary-Party-Kults, der in den achtziger Jahren seinen H\u00f6hepunkt erreichte. Downing schreibt ausf\u00fchrlich \u00fcber die Rolle von \u00bbZionisten\u00ab im Kapitalismus und versucht seine Argumente mit Verweisen auf l\u00e4ngst vergessene trotzkistische B\u00e4nde \u00fcber das Thema zu rechtfertigen. Kirby ist von einer neueren Sorte, eine ehemalige Labour-Kandidatin f\u00fcr das Parlament, die einen Tweet verfasste \u00fcber Juden, die \u00bbgro\u00dfe Nasen\u00ab h\u00e4tten (\u00bblol\u00ab), und einen \u00fcber Hitler, der ein \u00bbzionistischer Gott\u00ab sei.<\/p>\n<p>Corbyns Verteidiger taten Downing und Kirby als \u00bbschwarze Schafe\u00ab ab, aber der Fall des Oxford University Labour Club ist weit schlimmer. Der ehemalige Ko-Vorsitzende des Clubs, Alex Chalmers, hat einen scharf formulierten Bericht \u00fcber den dort verbreiteten Judenhass in seinem R\u00fccktrittsschreiben verfasst, das zirkuliert.<\/p>\n<p>Die F\u00e4lle von Downing, Kirby und dem Oxford University Labour Club folgen fr\u00fcheren Beispielen von Angriffen auf Juden durch Parteif\u00fchrer, wie des Abgeordneten Gerald Kaufman, einem 86j\u00e4hrigen Israel-Hasser, der quasi hauptberuflich die j\u00fcdische Gemeinde mit seinen Ausbr\u00fcchen gegen sich aufbrachte. Obwohl er gelegentlich von der Partei diszipliniert wurde, verblieb er trotz starken Drucks der Gemeinde bislang auf seinen Posten.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Gemeinde forderte Jeremy Corbyn auf, t\u00e4tig zu werden und seine Partei zu disziplinieren, aber vergeblich. F\u00fcr Corbyn sind die Hauptthemen die kommenden Kommunalwahlen und das Referendum \u00fcber die britische Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union im Juni. Dass Antisemitismus in der Partei vorhanden ist, hat derzeit keine Bedeutung f\u00fcr ihn oder irgendein anderes hochrangiges Labour-Mitglied. Deshalb werden die Artikel von Freedland, Jones und anderen kaum Auswirkungen haben.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn Corbyn dem Antisemitismus Beachtung schenken w\u00fcrde, w\u00e4re es naiv, von ihm zu erwarten, gegen die Antisemiten und die entsprechende Unkultur, die diese st\u00fctzt, in der Partei vorzugehen. Corbyn selbst ist durch den Umgang mit Antisemiten belastet, auch wenn er, wie viele denken, ein netter Mann ist.<\/p>\n<p>Was den Kampf gegen den wachsenden Antisemitismus in der Labour-Partei unterminiert, ist wohl auch der vorsichtige Ton, den die Kritik anschl\u00e4gt. Sogar Freedland schreibt lediglich, dass \u00bbdie meisten Anti-Israel-Aktivisten in gutem Glauben handeln\u00ab. Welche Beweise gibt es daf\u00fcr?<\/p>\n<p>Man w\u00fcrde das nicht \u00fcber Leute sagen, die gegen Migranten zu Felde ziehen, oder \u00fcber rechte Aktivisten, die sich hinter Nigel Farage und die Ukip stellen. Warum sollte man so h\u00f6flich zu \u00bbAnti-Israel-Aktivisten\u00ab wie Downing, Kirby und Kaufman und der Parteif\u00fchrung sein, die sie sch\u00fctzt? Und warum die Vorsicht im Hinblick auf Corbyn?<\/p>\n<p>Vielleicht ist es an der Zeit, deutlich zu sprechen und \u00bbAnti-Israel-Aktivisten\u00ab einschlie\u00dflich des Parteivorsitzenden als das zu bezeichnen, was sie in Wirklichkeit sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This article appears in this week&#8217;s edition of Jungle World. Die britische Labour Party und ihr neuer Vorsitzender Jeremy Corbyn haben ein Problem mit dem Antisemitismus in den eigenen Reihen. 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