Archive for June, 2013

The UCU, Antisemitism and the boycotts campaigns against Israel

Friday, June 28th, 2013

I’ll be speaking at this event on 11 July at 16:00.  It’s open to the public, free of charge, but you must register to attend.

From Tahrir to Taksim

Wednesday, June 12th, 2013

IMG_0634This article appeared in Solidarity and Talking Union.


I was talking the other day to an educated and informed American and mentioned that I’d spent a lot of time recently working on building support for the protestors in Taksim Square.

Her reaction surprised me.

“But aren’t you worried about, you know, an Islamist takeover?”

In the two years since the overthrow of the Mubarak Regime, many people have begun to learn all the wrong lessons from the Arab Spring.

The fear that reactionary Islamists in Syria might hijack the revolution is a genuine one.

But in Turkey, it’s the Islamists in power and secular, modern Turkey is in the streets and squares.

There is a widely-held belief that the “Arab Spring” was a failure, that the hopes it awakened have been dashed, that it was all a huge disappointment.

This is a belief that we must challenge, especially if we are to build support for the Turkish uprising and others to follow.

Let’s start by dealing with the disappointment with the Egyptian revolution and all that it promised.

It’s not true that one dictatorship was replaced by another, or that nothing has changed on the ground.

Independent trade unions have emerged, held congresses, and organised workers – something that would not have been tolerated in Mubarak’s Egypt.

Morsi and his Muslim Brotherhood may not be the leaders we’d have chosen, but they were chosen in multi-party elections and so far have avoided imposing the kind of Islamist dictatorship that some feared.

What’s happened in Egypt, Tunisia and elsewhere is that the civil war in the Muslim world – a war between authoritarians and democrats, reactionaries and progressives, Islamists and secularists – is still raging, but these days it is a somewhat fairer fight.

And in that civil war, there are of course grey areas like Syria where it can be hard to tell who the good guys are.

But that’s not the case in other countries, such as Iran or Turkey, where popular uprisings have assumed a democratic and secular character.

Democrats, socialists and trade unionists have been engaged for years with the Egyptian, Turkish and Iranian oppositions and one result is that there are strong forces in those countries with whom we can identify.

We knew Kamal Abbas and the Centre for Trade Union and Worker Services (CTUWS) in Egypt long before Mubarak fell. We’ve supported the Tehran bus drivers and other independent trade unions that have challenged the regime in Iran. In Turkey, national trade union centres like DISK and KESK – now leading the movements in the streets – have long been our friends and allies.

It was much harder to make contact with Syrian or Libyan oppositionists, in part because of the brutally authoritarian characters of the Assad and Gadaffi regimes.

Our main role remains to support our comrades in Taksim Square and across Turkey, as well as democrats, secularists, trade unionists and socialists in Iran, Egypt and elsewhere.

But we also have a message for those now challenging the rule of Erdogan, Morsi and Khamenei.

It is not enough to replace these regimes with new leaders – it is also important to challenge the ideology of those being replaced.

The Islamist regimes are based on lies, as were regimes like Mubarak’s, and those lies included racist propaganda targetting Kurds, Jews and others. Those regimes are also anti-women and homophobic, as were their predecessors.

Socialists must be calling for self-determination for all peoples in the region. (This includes defending Israel’s right to exist.) We must be putting the rights of women and gay people in the forefront of these struggles.

Of all the movements represented today in Taksim Square, and two years ago in Tahrir Square, only the workers organized in independent and democratic trade unions can be counted to push the revolution forward – and to realise the dream of a Middle Eastern Spring.

Die richtigen Schlüsse ziehen: Über Gewerkschaften der Textilarbeiterinnen in Bangladesh

Saturday, June 1st, 2013

This article appeared this week in Jungle World.


Viele internationale NGOs konzentrieren sich in ihren Kampagnen als Reaktion auf den Fabrikeinsturz in Bangladesh auf die Konsumenten. Wichtiger ist jedoch die Stärkung der lokalen Gewerkschaften.

Der Tod von mehr als 1 100 Arbeiterinnen und Arbeitern in Bangladesh durch den Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes im vergangenen Monat (siehe auch Interview-Seite) führte bei Kampagnenorganisationen auf der ganzen Welt zu hektischer Betriebsamkeit. Vor allem diejenigen im Online-Bereich – Gruppen wie Avaaz, Change.org und die relativ neue SumOfUs.org – organisierten als Reaktion schnell Kampagnen. Diese verfolgten alle ein ähnliches Konzept: Die westlichen Konsumentinnen und Konsumenten müssten Druck auf die Unternehmen ausüben, die Kleidung produzieren, damit diese sich in Zukunft besser benähmen. Das ist alles gut gemeint, aber das Problem ist, dass sie sich ganz auf die Rolle der Konsumenten konzentrieren und dabei nicht nur die Rolle der Produzenten vernachlässigen.

Die Textilarbeiterinnen und- arbeiter in Bangladesh entschieden sich für eine Kampagne mit ihrem globalen Gewerkschaftsverband »IndustriALL« mit Sitz in Genf. Sie richteten ihre Forderungen nicht an westliche Bekleidungsfirmen, sondern an ihre eigene Regierung. Diese solle die Arbeitsgesetze des Landes reformieren, um gewerkschaftliche Organisation zu erleichtern.

Über die Online-Plattform Labourstart rief IndustriALL dazu eine Kampagne ins Leben und innerhalb von nur drei Wochen hatten bereits 14 000 Menschen Nachrichten darüber verschickt. Zusätzlich initiierte IndustriALL ein Abkommen mit führenden Bekleidungsunternehmen für deutlich verbesserte Gesundheits- und Sicherheitsstandards in Bangladesh.

Problematisch an der Konzentration vieler internationaler NGOs auf die Konsumentenseite ist auch, dass dies Nationalismus fördert. In einer E-Mail als Reaktion auf die Kampagne von LabourStart und IndustriALL war zu lesen, die Lektion aus der Tragödie in Savar sei: »Produziert Kleidung in Kanada.« Das macht nur Sinn, falls man Kanadier ist, und selbst dann liegt man damit falsch.

Viele Menschen gehen davon aus, dass die westlichen Konsumenten schuld an dem Unglück seien, weil sie billige Kleidung wollen. Es sei nicht die Schuld der Arbeitgeber in Bangladesh oder der antigewerkschaftlichen Politik der Regierung. Der Britische Gewerkschaftskongress nahm dieses Argument kürzlich erfolgreich in einer Anzeige auseinander, die im Netz weit verbreitet wurde. Darin wurde belegt, dass eine Verdopplung der Löhne der Textilarbeiterinnen und -arbeiter in Bangladesh die Kosten eines T-Shirts nur um einen Penny erhöhen würde. Der monatliche Mindestlohn beträgt in Bangladesh 3 000 Taka (umgerechnet 29 Euro), ein Fünftel des derzeit in China herrschenden Mindestlohns.

Doch nicht nur indem sie sich auf die Verantwortung der Konsumenten für die Katastrophe in Savar konzentrieren, beweisen die Kampagnen-NGOs einen Mangel an Urteilsvermögen. Eine Organisation kündigte beispielsweise an, sie sammle 20 000 US-Dollar, um ein lokales Zentrum für Arbeiterrechte in Bangladesh zu unterstützen. Aber im Kleingedruckten stand, dass Spenden über diese Summe hinaus der Organisation selbst zugute kommen würden, um die Gehälter ihrer Angestellten in den USA zu bezahlen. Eine andere NGO forderte die Menschen per E-Mail auf, ihrer Wut über die Tragödie durch Geldspenden Luft zu machen – nicht, um den Opfern zu helfen, sondern um die Organisation mit Sitz in Washington bei der Verbreitung dieses Aufrufs zu unterstützen. Das Fundraising durch IndustriALL verlief anders. Es war mit den Textilarbeitergewerkschaften in Bangladesh abgestimmt und das Geld ging direkt an sie.

Zu behaupten, dass Konsumentinnen und Konsumenten bei all dem keine Rolle spielten, wird der Sache auch nicht ganz gerecht, denn am wichtigsten ist es, Solidarität mit den Beschäftigten an Ort und Stelle zu üben und ihre Gewerkschaften zu stärken. Versuche, unabhängig überprüfbare Zertifikate zu schaffen, die belegen, dass Produkte ethisch korrekt produziert wurden, waren bislang zum Scheitern verurteilt. Gruppen wie die Rainforest Alliance, deren Zertifikate belegen sollen, »dass Produkte und Dienstleistungen auf umweltfreundliche, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Weise erzeugt wurden«, wurden von Gewerkschaften stark dafür kritisiert, dass sie einige Produkte zertifizierten, ohne die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern zu berücksichtigen. Vor einigen Jahren prangerte die International Union of Foodworkers das britische Teeunternehmen Tetley für seine unethische Praxis an, obwohl die Firma stolzes Mitglied der »Ethical Tea Partnership« ist.

Die einzige Garantie dafür, dass Beschäftigte eine Stimme an ihrem Arbeitsplatz haben und dass Gesundheits- und Sicherheitsfragen angemessen berücksichtigt werden, ist eine unabhängige Gewerkschaft am Arbeitsplatz. Die einzige Gewähr, die Konsumentinnen und Konsumenten dafür haben, dass die von ihnen gekauften Produkte die von Zertifizierungsorganisationen versprochenen ethischen Standards tatsächlich erfüllen, ist ein Zertifikat der Gewerkschaft.

Ein solches wurde erstmals 1874 von Schreinern in San Francisco eingeführt und verbreitete sich später mit dem Erstarken von Gewerkschaften in Nordamerika. Nicht lange ist es her, dass man Gewerkschaftszertifikate auf Kleidung, Druckerzeugnissen und vielem mehr finden konnte. Als die Gewerkschaften schwächer wurden, verschwand das Zertifikat zusehends. Aber der Tod so vieler Textilarbeiterinnen und -arbeiter sollte ein Umdenken anregen – vielleicht ist es an der Zeit, das Zertifikat wiederzubeleben.

Aus dem Englischen von Nicole Tomasek